Der Kapitalismus frisst seine Kinder

Das hatten sich die Wirtschaftspolitiker so gedacht

Der Sozialismus ist tot. Lassen wir also dem Kapital seinen freien Lauf- dann wird der Kapitalismus überall seine revolutionäre Kraft entfalten. Neue Technologien werden einen weltweiten Wirtschaftsboom auslösen. Eine Popkultur des Geldes wird alle Menschen zu Aktionären machen und alle sozialen Probleme ausräumen. Kapitalismus total als neue Verheißung?

Spätestens jetzt ist dieser (Alb-)Traum geplatzt. Die Börsenkurse fallen, die Wachstumsraten sinken. Die kapitalistische Revolution frisst ihre Kinder. Und sie wird auch die Politiker fressen, wenn diese nicht tun, wofür sie gewählt sind: nämlich Politik für die zu betreiben, die sie gewählt haben.

Viele Politiker in Deutschland und anderswo baden sich in Selbstmitleid. Durch die Globalisierung der Wirtschaft und die freien Märkte könnten sie die wirtschaftlichen Entwicklungen kaum noch beeinflussen, entschuldigen sie sich. Mit diesem traurigen Eingeständnis ignorieren sie, dass die Politik die Verantwortung für die kapitalistische Revolution trägt.

In den achtziger Jahren setzte sich der Neoliberalismus durch, in vielen Ländern der Welt, überall mit dem gleichen Ergebnis: Die Wachstumsraten stiegen, die Unternehmungsgewinne explodierten, neue Technologien eroberten die Märkte. Doch gleichzeitig wuchs die Kluft zwischen Arm und Reich; weltweit stiegen die ökologischen Kosten eines Wachstumsprozesses, der immer mehr Ressourcen verschlang. Statt gegenzusteuern, verteidigten die meisten Wirtschaftspolitiker die Freiheit des Marktes gegenüber der Politik. Dies war der erste große Schritt weg vom sozial gebändigten Kapitalismus.

Der Kapitalismus hatte gesiegt. Die Wirtschaftspolitiker aller Länder vereinigten sich und bauten (fast) alle Grenzen und Kontrollen für das Kapital ab. Jetzt konnte sich der Flaschengeist des Kapitalismus so richtig austoben- und er tat dies weidlich.

Vor allem an den Börsen.

Der heutige Kapitalismus ist zu einem Spielcasino verkommen.

Der Finanzmarkt ist getrieben von Gier.

Es wird in einem Ausmaß spekuliert, das katastrophale Auswirkungen hat.

Das sind alles Dinge, mit denen es ein Ende haben muss!!

Inzwischen schlingert die gesamte Weltwirtschaft. Die Europäer korrigieren die Wachstumsprognosen nach unten. Jetzt kann es schlimmer kommen, als je gedacht, weil die neuen Entwicklungen die alten Probleme verschärfen, die noch ungelöst sind: Die soziale Kluft zwischen Arm und Reich wird in vielen Ländern größer; in der Bundesrepublik wächst wieder die Arbeitslosigkeit; die Umwelt ist bedroht, weil sich das Klima der Welt schneller erwärmt, als bisher prognostiziert. Die kapitalistische Revolution frisst ihre Kinder
Spätestens jetzt rächt sich es sich bitter, dass sich die meisten Wirtschaftspolitiker schon gänzlich von dem Gedanken verabschiedet haben, man könne und müsse die Wirtschaft gestalten. Dabei steht fest, dass sich die wirtschaftlichen Entwicklungen- national und weltweit- nur unter zwei Voraussetzungen mit sozialen und ökologischen Zielsetzungen vereinbaren lässt.

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Das Schlimmste kommt noch

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Nobelpreisträger Krugman: Ökonomen und Politiker seien „blind“ gewesen…….

* Nach dem Turbokapitalismus: Als Geldfortschritt getarnter Kreditbetrug

Es ist offensichtlich, dass ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel ansteht, der auf grundsätzlich neue Wege des menschlichen Zusammenlebens hinführt. Es ist vielleicht gut sich zu erinnern, dass viele tausend Jahre vergingen, bevor die Welt sich kapitalistisch organisierte.

Der Sozialismus ist noch jünger, und kaum der Rede wert ist die Zeit der Versuche, den Kapitalismus in eine neuerliche Expansion überzuführen. Dies alles heißt: Es gab eine Welt vor dem Kapitalismus – und es gibt eine Welt danach. Es ist an der Zeit, sich dessen bewusst zu werden und daraus den Mut zur Neugestaltung zu finden.

Aber die Vorstellung, eine anstehende Neugestaltung mit Gewalt erzwingen zu können, muss ebenfalls korrigiert werden.

Die Französische Revolution und die große sozialistische Revolution in Russland einschließlich der darauf folgenden Kriege haben den Kapitalismus, entgegen ihres unmittelbaren Zieles, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beenden zu wollen, so weit entwickelt, dass er nunmehr seine vollen Kräfte entfaltet hat. Der Übergang in eine Gesellschaft neuen Typs ist möglich, aber bei weiterer ungebremster Expansion drohen Zerstörungen des ökologischen Gleichgewichtes von globalen Ausmaßen und unwiderruflichem Charakter.

Der nächste Schritt der gesellschaftlichen Entwicklung kann und muss sich daher nicht mehr durch eine gewaltsame Revolution und durch weitere Weltkriege vollziehen, sondern durch deren Verhinderung. Es gibt nichts mehr, was mit expansiven und gewaltsamen Mitteln zu entwickeln wäre. Eine weitere gewaltsame Expansion kann nur zur Selbstzerstörung des Kapitals führen, insofern sie die ökologische Balance der Erde aus dem Gleichgewicht bringt. Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab, dass das Kapital als vom Menschen geschaffene künstliche Ressource bewusst in das globale ökologische Gleichgewicht eingebettet wird. Das schließt Wiederholungen gewaltsamer Umwälzungen bei Strafe des Untergangs der Menschheit oder ihres Rückfalls auf vorzivilisatorische Zustände aus. Umgekehrt kann der richtige, intensive Einsatz des Kapitals die globale Entwicklung ohne jegliche Anwendung von Gewalt in eine nächste Phase der Evolution katapultieren.

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